Erinnern wir uns gemeinsam

Wurden wir unserem Anspruch und dem Schwerpunktthema „Erinnerungskultur” in den letzten Tagen gerecht? Konnten wir mit unserem kompakten Programm neue und gelegentlich auch unterhaltsame Sichtweisen aufzeigen? Konnten wir ein bisschen Optimismus, Elan und frische Ideen generieren? Ein lockerer Austausch unter Beteiligten, Sympathisanten und Freunden brachte manche Antwort auf diese Fragen. Der Austausch bei gutem Essen und Trinken bildete jedenfalls den Abschluss der diesjährigen Wochen zur Demokratie. Diese endeten zwar offiziell an diesem Sonntag, aber die Veranstaltungen hallen hoffentlich nach, insbesondere die Ausstellung „Grenzüberschreitungen”. Denn sie lief noch bis Ende November weiter in den Räumen der AGON Künstlergruppe in der Höllgasse. Dabei traf man stets entweder auf ein Mitglied von WoZu Demokratie oder gar auf den ehemaligen Pressefotografen persönlich. Denn Dirk Wildt übernahm einige „Schichten”.
Doch zunächst hoch die Gläser auf das fünfte Demokratiefestival!
Als Höhepunkt des Abends kamen vier der hochwertigen Fotografien aus der Ausstellung „Grenzüberschreitungen” zur Versteigerung. Erhard Steinhaus übernahm die Aufgabe des Auktionators.

Ort: Theatercafé, Unterer Sand, Passau
Zeit: Sonntag, 12. November 2023, 17.00 – 20.00 Uhr
Eintritt frei

Verdrängt – Die Erinnerung an die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde

Die Marginalisierung der von den Nationalsozialisten ermordeten psychisch kranken und geistig behinderten Menschen hält bis heute an. Gleichzeitig intensiviert sich die Erinnerungsarbeit mit wachsender Entfernung von den Ereignissen. Der präsentierte Band beschäftigt sich mit der verschlungenen Rezeptionsgeschichte der NS-„Euthanasie“. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den vielfältigen Initiativen, die aktuell an diese Verbrechen erinnern. Das populärwissenschaftlich ausgerichtete Buch bietet mit Fallstudien, Gesprächen, Porträts und reichem Bildmaterial einen diskursiven und visuellen Zugang zum Thema. Neben dem persönlichen, gesellschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Umgang mit den „Euthanasie“-Verbrechen kommen grundlegende ethische Fragen um den „Wert des Lebens“ zur Sprache. Der Band wurde durch die beiden Herausgeber Jörg Skriebeleit und Winfried Helm vorgestellt.

Die Beschäftigung mit dem Themenkomplex Eugenik und „Euthanasie“ macht deutlich, dass es Kontinuitäten der Ausgrenzung gibt, die bis in die Gegenwart wirksam sind. Die sich an die Buchvorstellung anschließende Gesprächsrunde machte kulturelle Initiativen sichtbar, die dieser Ausgrenzung begegnen und sich um Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung bemühen. Am Gespräch beteiligten sich Akteure aus Theater, Musik, Bildender Kunst und Literatur.
Die Sonntagsmatinee wurde musikalisch begleitet von Christiane Öttl.
Am Veranstaltungsort befindet sich die Lebensgemeinschaft Langlebenhof gGmbH, die ein Wohnheim für erwachsene Menschen mit geistig und körperlicher Beeinträchtigung betreibt.
Mitveranstalter war das Zentrum Erinnerungskultur der Universität Regensburg, an dem das Buchprojekt durchgeführt wurde.

Prof. Dr. Jörg Skriebeleit ist Kulturwissenschaftler und Historiker. Er leitet die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und ist Honorarprofessor an der Universität Regensburg. Dort ist er einer der Gründungsdirektoren des Zentrums Erinnerungskultur.
Dr. Winfried Helm ist freiberuflicher Kulturwissenschaftler und Ausstellungsmacher mit Büro in Passau.

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Ort: Langlebenhof, Alte Rieser Str. 19, Passau
Zeit: Sonntag, 12. November 2023, 11.00 – 13.00 Uhr
Eintritt frei

Rhythm in lyrics

Poetry Slam – das moderne Forum der Dichtkunst, jung, schnell, offen, direkt. Gesprochene Poesie, selbstverfasste Texte in unterschiedlichen, individuell geprägten Stilrichtungen trafen im studio12 auf ein kritisches, aktives Publikum. Auf einer offenen Bühne performten Poetryslammer:innen in eigener Vortragsart und eigenem Rhythmus. Sie performten zum Teil in deutsch und in ihrer Herkunftssprache, unter anderem in französisch und arabisch. Durch direkte Ansprache des Publikums, Beteiligung im Bewertungsprozess sowie die Möglichkeit für eine offene Debatte zu speziellen Themenbereichen entstand eine Atmophäre der Teilhabe aller auf Augenhöhe.
Das „studio12 – Musik Café Bar Kunst und Kultur“ bietete dazu den geeigneten Rahmen.

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“Slam is the lighthouse for the democratization of art.”
„Slam ist das Paradebeispiel für die Demokratisierung der Kunst.“– Bob Holman

Mit:
Julia Gais in Co-Autorenschaft mit Schüler*innen
Anna Sophia, Schülerin
Véronique Coiffet, Lehrbeauftragte und Lektorin für Französisch
Ahmad Alkhalil, syrischer Journalist (die deutsche Übersetzung wird von Matthias Hofer vorgetragen)
Kira „Kijo” Josephine
Hannah, Studentin für Medien und Kommunikation
Die Veranstaltung wurde moderiert von der Lyrikerin Natascha Huber.

Ort: Studio12, Gottfried-Schäffer-Straße 12, Passau
Zeit: Donnerstag, 09. November 2023, 18 Uhr
Eintritt frei

Philosophischer Spaziergang durch die Passauer Altstadt

Bereits in der griechischen Antike wurde das Philosophieren in einer Gruppe und nicht zuletzt auch im Gehen („peripatos“) bzw. an öffentlichen Plätzen („agora“) betrieben. Diese alte Tradition soll in einer kleinen Gruppe aufgegriffen und erneuert werden, indem ein gemeinsamer Spaziergang an ausgewählte Orte der Passauer Altstadt führt. Die Orte sollen wahrgenommen und in politischen, ästhetischen oder ökologischen Hinsichten miteinander gezielt „bedacht“ werden: Wofür steht der Rathausplatz – und wofür sollte er stehen? Welche Eindrücke erzeugt der starke Kontrast aus den dynamischen Flüssen und dem Dom? Wie würde sich akustisch und visuell die Atmosphäre in der Altstadt verändern – wenn man den Autoverkehr los wäre? In einem dialogischen Austausch darüber wird die Demokratie, die ihren Ursprung auch in Athen („polis“) hat, philosophisch lebendig. Als gezielte Impulse dienten u.a. Zitate, Gedichte, Anekdoten. Eine Fachexpertise ist nicht notwendig, nur das Sich-Einlassen auf die miteinander geteilte Situation, in denen neuartige Perspektiven auf bekannte Orte unseres Alltags gewonnen werden sollen. Jede*r ist als „Flaneur*in“ willkommen!

Dr. Florian Wobser lehrt und forscht als Philosoph mit dem Schwerpunkt Didaktik an der Universität Passau u.a. zu performativen Aspekten des Philosophierens in der Öffentlichkeit.

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Treffpunkt: Brunnen am Residenzplatz, Passau
Zeit: Samstag, 11. November 2023, 13.00 – 15.00 Uhr
Eintritt frei

Klänge des Verschweigens

In seinem Dokumentarfilm erkundet Klaus Stanjek das Familiengeheimnis rund um seinen Onkel Willi Heckmann. Sein Onkel Willi war Berufsmusiker und trat über fünf Jahrzehnte lang in ganz Deutschland auf, u.a. auch in Passau. Er war stets gut gelaunt und bei allen beliebt. In seiner Familie galt er jedoch als schwarzes Schaf, über dessen Leben wenig gesprochen wurde. Erst mit 40 Jahren erfuhr Stanjek, dass sein Onkel aufgrund seiner sexuellen Orientierung acht Jahre im KZ verbracht hatte. Wie ist es dazu gekommen? Wie hat er es geschafft, die Inhaftierung zu überleben? Warum wurde in der Familie nie darüber gesprochen? Diesen und anderen Fragen geht Stanjek in seinem Film nach. Er nimmt die Zuschauer mit auf eine Spurensuche, die nicht nur Licht auf das Leben seines Onkels und seiner Familie wirft, sondern auch Hinweise auf den gesamtgesellschaftlichen Umgang mit Nationalsozialismus, KZ-Inhaftierung und Homosexualität gibt.

Der mehrfach preisgekrönte Film beeindruckt nicht nur durch den Mut, dieses innerfamiliäre Thema auf die Leinwand zu bringen, sondern vor allem durch seine kreative und abwechslungsreiche, teils animierte Filmsprache. Diese verleiht dem familiären Verschweigen jenen Klang, der Willi Heckmann als Lebenselixier diente.

Der Regisseur Klaus Stanjek stand im Anschluss an den Film für Fragen und Diskussion zur Verfügung.

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Beginn: 20.15 Uhr
Ort: ProLi Kino, Passau
Eintritt online: Parkett 9 € / Loge 11 € / Premium 14 €
Eintritt Kassenpreis: Parkett 10 € / Loge 12 € / Premium 15 €

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